Die Domäne der Frau

Die Emanzipation der Frau begann durch den Salon.​

Neue Spielregeln

In den Salons ergaben sich Neudefinitionen von Geschlechterrollen und neue kommunikative Umgangsformen und Spielregeln zwischen den Geschlechtern, weil im geschützten Raum des Salons Frauen und Männer ungezwungen, in ehrbarer Freiheit, miteinander umgehen konnten.

Die Salonière war ein wesentliches Element im Kommunikationsnetz und brachte damit die positiven Aspekte der bislang diskreditierten und als speziell weiblich gehandelten Fähigkeiten des Mittelns (Kupplerin), des Spinnens (Gras wachsen hören), des Verrücktseins (Möglichkeiten eines außerordentlichen Perspektivwechsels), des Schwatzens und des Tratschens zur Geltung.

Der Salon als Domäne der Frau war zu einem Instrument geworden, gegen die Entrechtung der Frau anzukämpfen. Die private Sphäre war von jeher der Machtraum der Frau. Während Männer ihre Macht im öffentlichen Leben wahrnahmen, taten Frauen dies zurück gezogen im Heim. Die Rolle der Frau des 18. Jahrhundert war jene der Mutter und Ehefrau. Die Emanzipation der Frau begann durch den Salon. Der Salon gab den Frauen der elitären Gesellschaft die Möglichkeit, sich am öffentlichen Leben zu partizipieren, ja es sogar wesentlich zu beeinflussen, während die Männer dies öffentlich taten.


Der Salon war ein Ort, an dem die gebildete Frau ihre neue Machtdomäne aufbaute, Frauen des Adels hatten durch die Verfassung ihre feudalen Rechte eingebüßt und weniger Möglichkeit, sich am öffentlichen Leben zu beteiligen. Der Salon war Möglichkeit für die Salonière, sich innerhalb des patriarchalen Systems sichtbar zu bewegen und zu beeinflussen und die asymmetrische Achse der Macht zwischen Mann und Frau herauszufordern.


Die meisten einflussreichen Salonières waren charismatische Frauen, Vorkämpferinnen für Rechte der Frauen und eine egalitäre Gesellschaft. Der Salon als feministische aber auch femininer Ort war geprägt durch die Kunst der Kommunikation, der gelegentlichen Intrige, der Mediation, des Brückenbauens, der Friedensschlichtung und vor allem war es ein Ort, der politisch und gesellschaftlich neutral war. Er ermöglichte Menschen unterschiedlichen finanziellen Standes, unterschiedlicher religiöser Abstammung, gesellschaftlichen Ranges, politischer Zuordnung und nationaler Abstammung einen Ort des Austausches und der Kommunikation.

Frauen konnten in diesem Rahmen ihre Rolle als Vermittlerin einnehmen, des „powerbroker“. Männer hatten Möglichkeiten, im öffentlichen Leben, diese Rollen einzunehmen, als politischer Vertreter, Impresario, etc. Der Salon war das einzige Terrain der Frau, auf dem sie diese Rollen ebenso einnehmen konnte. Der Politische Salon zeigte sich insbesondere bei Berta Zuckerkandl und Anna Kuliscioff.


Eine weitere Intention des Salons war auch jene der Etablierung einer Universität für Frauen. Frauen gingen in ihrem Salon mit den Männern in geistigen Wettbewerb. Die Frau hatte gesetzlich verankerte Unterordnung, Heirat ohne Liebe, diminuierende Erziehung, gelernt. Der Salon gab ihr einen Ort der Autonomie, einen Ort, an dem sie selbstbestimmt entscheiden konnte.
Dieser Aspekt kommt vor allem bei den Salonières gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu tragen, deren Hauptakteurinnen jüdische Frauen waren, die nicht nur für Ihre Rechte als Frauen eintraten, sondern auch für ihre Freiheit innerhalb der jüdischen religiösen Erziehung. Sie kämpften nicht nur für die Emanzipation als Frau sondern auch für Ihre Emanzipation als Jüdische Frau.

Der Salon war Domäne der Frauen, in der die Bildungsdifferenzen aufgelöst waren und Frauen sogar als diejenigen, die den Mann kultivierten und formten, galten. Die Verdienste der Salonièren bestanden auch in der Arbeit gegen eine neuerliche Befestigung des Ausschlusses von Frauen. Sie nahmen für Frauen das Recht auf höchste Gelehrsamkeit in Anspruch. Die Salonièren waren zumeist Autodidaktinnen und die es mit Genugtuung erfüllte, die soziale Form des Salons zu gestalten.

„Man sorgte sich vor der Unabhängigkeit der Frau, vor der Destabilisierung des Instituts der Ehe, vor der gebildeten Frau.“

Jetzt anmelden

und keine Salonveranstalung und Podcastfolge verpassen

Sie erhalten Informationen über unsere kommenden Events, können an Umfragen teilnehmen, bekommen spannende Einblicke hinter die Kulissen und werden laufend über unsere neuen Podcastfolgen informiert